AKTIONSMETHODEN

Da die in unseren Seminaren häufig verwendeten Aktionsmethoden* den meisten Teilnehmern nicht so vertraut sind, hier ein paar Worte zur Erläuterung:

 

Worum geht es bei der Methode?

Aktionsmethoden nutzen die Mittel des Theaters, um persönliche, gruppenbezogene und soziale Fragestellungen praktisch zu erforschen und zu bearbeiten. Statt Theatralik geht es bei den Aktionsmethoden jedoch um Realitätsbezug und Authentizität.

 

Was ist das Besondere an der Methode?

Die szenische Darstellung ermöglicht dem Teilnehmer realitätsnahe Lösungen für persönliche und berufliche Fragestellungen und Konflikte zu finden. Konkrete Situationen werden räumlich-lebendig vergegenwärtigt, wo Sprache die Vielschichtigkeit der erlebten Praxis nicht abbilden kann. Anders als bei „normalen Rollenspielen“ geht es also nicht darum etwas zu spielen, was jemand anderes sich ausgedacht hat, sondern eigene erlebte Realität zu erfahren und die Realitätsgestaltung zu erweitern und flexibler zu machen.

 

Mit der Aktionsmethode kann der Fallgeber Situationen, Lebenslagen und eigene Denk- und Verhaltensmuster aus unterschiedlichen Perspektiven heraus erleben und verstehen:

  • aus der Perspektive des Beteiligten und aus der Distanz/Metaperspektive heraus
  • aus der Selbstperspektive und der Fremdperspektive
  • aus der Gegenwarts-, Vergangenheits- und Zukunftsperspektive.

Das schafft die Grundlage für in diesem Sinne ganzheitliche Erkenntnis- und Entwicklungsprozesse. Menschen, Gruppen und Organisationen können so mit Kopf, Herz und Hand den Überblick zurückgewinnen, Entscheidungen treffen, Veränderungen gestalten und neues Verhalten ausprobieren. Die Übertragung des Erkenntnisgewinns in die Praxis ist deshalb besonders hoch.

 

Sage es mir, und ich werde es vergessen.

Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten.

Lass es mich tun, und ich werde es können. Konfuzius

 

Wo werden Aktionsmethoden angewendet?

Einzelne Elemente der Aktionsmethoden werden mittlerweile recht häufig in Supervision, Coaching, und Organisationsberatung mit zum Teil unterschiedlicher Bezeichnung (z.B.: Aufstellungen, leerer Stuhl, ….) verwendet. Die besondere Kunst der Anwendung besteht darin, das große methodische Repertoire der Aktionsmethoden so anzuwenden, dass die erlebte Realität des Klienten gut abgebildet wird. Dadurch differenziert und erweitert sich die Wahrnehmung der Realität: neue Handlungsoptionen werden sichtbar und möglich.

 

Sind Aktionsmethoden das Gleiche wie systemische Aufstellungen?

Systemische Aufstellungen sind eine Teilmenge aus dem Repertoire der Aktionsmethoden. Ihr Fokus liegt auf strukturellen Fragestellungen (und zum Beispiel nicht auf der Art und Weise der Kommunikation beteiligter Personen). Anders als bei den von uns verwendeten Aktionsmethoden wird den Interpretationen der Mitwirkenden (Stellvertreter) gelegentlich ein höherer Stellenwert beigemessen. Unseriös sind solche Vorgehensweisen dann, wenn der Leiter Entscheidungen für den Fallgeber anhand eigener Glaubenssätze und Dogmen fällt (z.B. systemische Familienaufstellungen nach Hellinger).

 

Ist das nur etwas für extravertierte Menschen?

Nein. Letztendlich imitieren Aktionsmethoden menschliches Denken. (Das Gespräch mit sich selbst. Der innere Rollentausch mit dem Gesprächspartner,… ect.) Die Aktionen an sich sind sehr reduziert.

 

 

*Die Aktionsmethoden gehen ursprünglich zurück auf Jakob Levy Moreno (1889-1974) vgl.: www.psychodrama-deutschland.de, und wurden in den letzten Jahren auf der Basis aktueller Erkenntnisse der neurologischen Hirnforschung und der mentalisationsbasierten Therapie weiterentwickelt.

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